Bio-PE und Bio-PP in Europa

Mensch und Umwelt

Bio-PE und Bio-PP in Europa

Steigende Produktionskapazitäten, neue EU-Verpackungsvorschriften und strengere Anforderungen an Nachhaltigkeitsaussagen verändern die Bewertung biobasierter Polymere. Für Kunststoffverarbeiter und Einkaufsteams kommt es darauf an, den Werkstoff, die Lieferkette und die Nachweise hinter den jeweiligen Aussagen zu verstehen. Biobasiertes Polyethylen (Bio-PE) und biobasiertes Polypropylen (Bio-PP) gewinnen zunehmend an Aufmerksamkeit. Hersteller suchen nach Alternativen zu fossilen Rohstoffen, ohne dabei zwangsläufig ihre etablierten Verarbeitungsverfahren ändern zu müssen. Für Unternehmen, die Folien, Verpackungen, Spritzgussteile und andere Kunststoffprodukte herstellen, eröffnen diese Materialien neue Möglichkeiten. Eine erfolgreiche Beschaffung setzt jedoch mehr voraus als die Auswahl eines biobasierten Kunststoffgrades. Technische Eignung, Verfügbarkeit, Rohstoffherkunft und regulatorische Anforderungen müssen gemeinsam betrachtet werden.

Die Produktionskapazitäten für Bio-PE und Bio-PP in Europa dürften wachsen

Das Bioplastics Market Development Update 2025 von European Bioplastics prognostiziert einen Anstieg der weltweiten Produktionskapazität für biobasierte Kunststoffe von 2,31 Millionen Tonnen im Jahr 2025 auf rund 4,69 Millionen Tonnen bis 2030. Bio-PE und Bio-PP zählen zu den Polymergruppen, die zu diesem Wachstum beitragen sollen. Laut der Berichterstattung von Argus Media zu dieser Prognose könnte die europäische Produktionskapazität für Bio-PE von 22.110 Tonnen pro Jahr im Jahr 2025 auf 138.400 Tonnen pro Jahr im Jahr 2030 steigen. Für Bio-PP wird im selben Zeitraum ein Anstieg von 17.316 auf 238.400 Tonnen pro Jahr erwartet. Dabei handelt es sich um Prognosen und nicht um garantierte Produktionsmengen. Dennoch weisen die Zahlen auf steigende Investitionen in erneuerbare Rohstoffe für zwei weit verbreitete Polymergruppen hin.

Der Gesamtmarkt ist weiterhin vergleichsweise klein. Biobasierte Kunststoffe machen rund 0,5 % der weltweiten Kunststoffproduktion aus. Das verdeutlicht sowohl das Wachstumspotenzial als auch die Grenzen, die bei der Planung größerer Beschaffungsmengen berücksichtigt werden sollten.

Global production capacities of biobased plastics

Die Rohstoffbasis kann sich ändern, ohne dass sich die grundlegende Polymerchemie verändert

Ein wesentlicher Vorteil von Bio-PE und Bio-PP besteht darin, dass konventionelle Drop-in-Qualitäten dieselbe grundlegende Polymerchemie aufweisen wie ihre Pendants auf Basis fossiler Rohstoffe. Bio-PE kann beispielsweise aus erneuerbaren Rohstoffen wie Ethanol aus Zuckerrohr hergestellt werden. Dieses wird zunächst zu Ethylen verarbeitet, das anschließend zu Polyethylen polymerisiert wird. Bio-PP lässt sich über erneuerbare Rohstoffpfade herstellen, bei denen die Ausgangsstoffe für die Herstellung von Polypropylen bereitgestellt werden. Ein Polymer ist nicht automatisch biologisch abbaubar oder kompostierbar, nur weil seine Rohstoffbasis erneuerbar ist. Für Kunststoffverarbeiter ist diese Unterscheidung wichtig. Je nach Qualität können biobasierte Alternativen für bestehende Extrusions-, Blasform- oder Spritzgussprozesse geeignet sein. Die tatsächliche Verarbeitbarkeit und die Leistungsfähigkeit des Endprodukts müssen jedoch für den jeweiligen Werkstoff geprüft werden.

Je nach Anwendung spielen Eigenschaften wie Schmelzfließverhalten, Dichte, Steifigkeit, Schlagzähigkeit, Siegelverhalten und Spannungsrissbeständigkeit eine wichtige Rolle bei der Materialauswahl.

Vergleichen Sie das technische Datenblatt einer biobasierten Qualität mit dem des aktuell eingesetzten Materials. Prüfen Sie die Verarbeitungsbedingungen, mechanischen Eigenschaften, Farbanforderungen, gegebenenfalls die Eignung für den Lebensmittelkontakt sowie kundenspezifische Freigaben. Gehen Sie nicht davon aus, dass alle Qualitäten innerhalb derselben Polymergruppe ohne Weiteres austauschbar sind.

Biobasierter Anteil, Rezyklatanteil und Massenbilanz sind nicht dasselbe

Die Herkunft der Rohstoffe und die Methoden, mit denen Nachhaltigkeitseigenschaften nachgewiesen werden, sind zwei unterschiedliche Aspekte.

Drei Begriffe sind besonders wichtig:

  • Biobasierter Anteil: Der Anteil eines Materials, der aus biologischen Ressourcen stammt. Mithilfe der Radiokohlenstoffanalyse lässt sich beispielsweise der Anteil an modernem biogenem Kohlenstoff in einer Probe bestimmen.
  • Bio-attribuiertes Material: Material, dem erneuerbare Rohstoffe über ein Bilanzierungsverfahren wie den Massenbilanzansatz zugeordnet werden. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass das einzelne Produkt einen direkt messbaren Anteil physisch eindeutig identifizierbarer erneuerbarer Rohstoffe enthält.
  • Rezyklatanteil: Der Anteil eines Materials, der aus Recycling stammt, entsprechend den jeweils geltenden Vorschriften und Berechnungsmethoden.

Beim Massenbilanzansatz können erneuerbare und konventionelle Rohstoffe in ein gemeinsames Produktionssystem eingebracht werden. Die Mengen und die damit verbundenen Eigenschaften werden nach den Vorgaben des jeweiligen Zertifizierungssystems erfasst. Auf dieser Grundlage können definierte Eigenschaften erneuerbarer Rohstoffe bestimmten Produkten bilanziell zugeordnet werden.

Dieser Ansatz kann den Einsatz alternativer Rohstoffe innerhalb bestehender industrieller Infrastrukturen unterstützen. Welche Aussagen daraus abgeleitet werden dürfen, hängt jedoch von der Bilanzierungsmethode, den Zertifizierungsanforderungen und der verfügbaren Dokumentation ab.

ISCC PLUS bietet beispielsweise einen Rahmen für Rückverfolgbarkeit und Lieferkettennachweise. Eine Zertifizierung bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche Nachhaltigkeitsaussagen gleichbedeutend oder beliebig austauschbar sind. Käufer sollten daher immer den Geltungsbereich des Zertifikats und die konkrete Produktdokumentation prüfen.

Das Material muss auch wirtschaftlich überzeugen

Bei einer Beschaffungsentscheidung müssen Materialeigenschaften, Verfügbarkeit, Kosten und Versorgungssicherheit gegeneinander abgewogen werden.

Die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission (Joint Research Centre, JRC) nennt Produktionskosten, den technologischen Entwicklungsstand und die Nachhaltigkeit der Rohstoffe als Herausforderungen für eine breitere Nutzung biobasierter Kunststoffe. Erneuerbare Alternativen können gegenüber konventionellen Kunststoffen auf Basis fossiler Rohstoffe einen Preisaufschlag aufweisen. Wie groß dieser ausfällt, hängt unter anderem vom Polymer, der jeweiligen Qualität, dem Hersteller und den Marktbedingungen ab. Auch die Verfügbarkeit ist entscheidend. Laut European Bioplastics lag die weltweite Produktion biobasierter Kunststoffe im Jahr 2025 bei rund 1,67 Millionen Tonnen, während die installierte Produktionskapazität 2,31 Millionen Tonnen betrug. Daraus ergibt sich eine durchschnittliche Kapazitätsauslastung von rund 72 %. Zwischen den einzelnen Polymergruppen bestehen jedoch erhebliche Unterschiede.

Weder die installierte Kapazität noch die durchschnittliche Auslastung zeigen allein, welche Mengen einer bestimmten Qualität tatsächlich verfügbar sind. Zuteilungen durch Lieferanten, Produktionsstandorte, Logistik und Bestellmengen beeinflussen die konkrete Beschaffungssituation.

Eine strukturierte Bewertung sollte deshalb die technische Spezifikation, die Gesamtkosten des Materials, den voraussichtlichen Bedarf, die Liefertermine und die erforderlichen Nachweise für Nachhaltigkeitsaussagen berücksichtigen.

Planen Sie Ihre Polymerbeschaffung für 2027?

Bio-PE und Bio-PP bieten Unternehmen die Möglichkeit, ihre Rohstoffbasis zu diversifizieren und gleichzeitig die Vorteile etablierter Polymergruppen zu nutzen. Die prognostizierten Kapazitätssteigerungen machen diese Materialien zu interessanten Optionen für die weitere Bewertung. Ob sie für eine konkrete Anwendung infrage kommen, hängt jedoch von den technischen Anforderungen, der Verfügbarkeit der jeweiligen Qualität und den Nachweisen zur Rohstoffherkunft ab.

Plastrans Technologies GmbH unterstützt Kunden in der europäischen Kunststoffindustrie mit konventionellen, recycelten und biobasierten Polymeren sowie Compounds und Masterbatches.

Ob Sie einen neuen Rohstoff bewerten, eine bestehende Materialspezifikation überprüfen oder sich auf veränderte Verpackungsanforderungen vorbereiten: Unser Team unterstützt Sie dabei, geeignete Materialoptionen zu prüfen.

Sie suchen eine passende Polymerlösung für Ihre nächste Anwendung?

Kontaktieren Sie Plastrans Technologies GmbH, um Ihre technischen Anforderungen, Beschaffungsprioritäten und Dokumentationsbedürfnisse mit uns zu besprechen.

Quellen

  1. European Bioplastics, Bioplastics Market Development Update 2025, 2. Dezember 2025.
  2. Argus Media, Global bioplastics production set to rise: Correction, 3. Dezember 2025.
  3. Europäische Kommission, Informationen zur Umsetzung der Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR).
  4. Europäische Kommission, Bio-based, biodegradable and compostable plastics.
  5. Joint Research Centre der Europäischen Kommission, Bio-based plastics: technology readiness and high cost key barriers to wide use, 3. März 2026.
  6. ISCC, ISCC PLUS: Chain of Custody and Mass Balance Guidance.